




Führung für die Mitglieder des Vereins Freunde der
Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e. V. in
Ostrau (08.05.2015)
Bei der Nennung des Namens Ostrau unweit des Petersberges denkt
man unweigerlich an den gelben Blütenteppich aus Winterlingen, der jedes Frühjahr viele Besucher
anlockt. Aber der Ort mit seinen über 1000 Einwohnern
bietet weit mehr Sehenswertes. Es sind das Schloss, die Schlosskirche und der Park, die aus ein und
derselben Epoche stammen und der Familie von Veltheim zu verdanken sind, so dass man auch von einem
Denkmalensemble sprechen kann.
Schlosskirche Ostrau
Kein Geringerer als der Ortsbürgermeister und gleichzeitig Vorstandsmitglied des Fördervereins Schloss
Ostrau, Herr Rosentreter, begann die Führung in der Schloss- und Patronatskirche. Otto Ludwig von
Veltheim veranlasste 1698 den im
Barockstil gehaltenen Kirchenbau an der Stelle einer kleineren Kirche aus dem 13. Jh. Für die
Einweihungsfeier hatte er zwei Kantaten in Auftrag gegeben, die 2010 wieder aufgeführt wurden und als CD
erhältlich sind.
Grabmal von und für Hans Hasso von Veltheim
Ursprünglich besaß die Kirche einen Kanzelaltar, d. h., die Kanzel befand sich oberhalb des Altars. Seit
dem 19. Jh. steht sie ebenerdig. Unter dem Altarraum befindet sich eine Gruft. In einem Seitenflügel
ließ Dr. Hans Hasso von Veltheim
(1885-1956), letzter Schlossherr vor der Enteignung und Vertreibung, einen Andachtsraum nach
anthroposophischen Grundsätzen anlegen. Er beherbergt nicht nur einen Grabaltar, in dem sich seit 1991
Veltheims Urne befindet, sondern erhält
eine besondere Würde durch drei Bleiglasfenster, gestaltet 1933 von Maria Strakosch, einer Schülerin
Wassily Kandinskys.
Auf dem Kirchfriedhof ist unter der sog. „Professoren-Linde“ die Grablege
des Malers Karl Adolf Senff, genannt
der „Blumenraffael des 19. Jh.s“ (geb. 1785 in Halle, gest. 1863 in Ostrau). Sein ältester Bruder war
Pfarrer in Ostrau, in seinem Haus verbrachte er den Lebensabend.
Die zweite Station der Führung
war das Barockschloss im französischen Stil, dessen Bau um 1710 begann. Endgültige Gestalt nahm
das von einem breiten Wassergraben umgebene Gebäude aber erst später an, der heute vorhandene
Innenausbau wurde sogar erst durch Hans Hasso von Veltheim beendet,
nachdem er es 1927 geerbt hatte. Veltheim veranlasste auch die Renovierung aller zum Gut gehörenden
Gebäude. Als Anthroposoph öffnete er das Schloss großzügig für Geistesschaffende und Künstler, denen er
freie Kost und Logis gewährte.
Haupteingang vom Schloss Ostrau
Nach dem Krieg wurde es zeitweilig durch die hallesche Universität, teilweise als Internat und noch
heute als Schule genutzt. Die über zwei Etagen gestaltete und wieder instand gesetzte Bibliothek im
Südflügel dient als Vortragssaal. In einem
weiteren restaurierten Raum, der auch für private Feierlichkeiten gemietet werden kann, wurden uns
Kaffee und Kuchen gereicht. Im mittleren Teil befindet sich der Gartensaal, von dem aus man über eine
großzügig angelegte Freitreppe in
den Garten und weiter in den anschließenden Schlosspark gelangt. Für die Restaurierung eines großen
Teils des Schlosses einschließlich des Nordflügels mit der ehemaligen Wohnung Veltheims fehlen derzeit
die Mittel.
Aufenthaltsraum im Mittelteil des Schlosses
Diele mit Treppe zur ehem. Wohnung Veltheims
Rest einer Deckentapete
Stuckdecke in der Wohnung
Als dritte Station unseres Besuches wurde abschließend der individuelle Besuch des Schlossparkes
empfohlen. Der Park war 2010 in das Projekt „Gartenträume“ des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen worden.
Wegen Baufälligkeit der Zugangsbrücke
direkt zum Park muss durch den Ort Ostrau ein Neubau finanziert werden.
Ort und Förderverein
bemühen sich trotz der Größe des Objektes um die Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes, das im
Wesentlichen auf den Säulen Kultur, Schule
und Gastronomie basieren soll. Im Sinne der Erhaltung des Gebäudes ist zu wünschen, dass die recht
zahlreich angebotenen Veranstaltungen wie z. B. das Sommerkonzert am 21.Juni oder die Aufführung der
Kammeroper „Frühlingsfluten“ am 27.Juni
nicht nur den Bekanntheitsgrad erhöhen, sondern viele Besucher und vielleicht auch Sponsoren
anlocken.
Als Dank übergab Frau Schütz abschließend eine kleine Buch- und Geldspende an den
Förderverein.
Text und Fotos: Elke
und Jürgen Becker
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