Vorträge
" Die neue Residenz in Halle im Blickfeld neuer Bauforschungen – vom
mittelalterlichen Hospiz bis zur Universität"
Das Lapidarium der Neuen Residenz
Das Lapidarium der Neuen Residenz wurde als Aufbewahrungsraum der Sammlung von geborgenen Werksteinen
eingerichtet. Bei den seit 2004 laufenden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten mussten aufgrund
starker Schäden und statischer Bedenklichkeit originale
Teile aus dem Bau entfernt werden. Wegen ihrer Bedeutung als Zeugnisse der Baugeschichte, des
Bauhandwerks und der Stilkunde unterschiedlicher Kulturepochen, sollten diese Werksteine auch aus
denkmal pflegerischen Aspekten nicht einfach
vernichtet werden. Zumeist handelte es sich um Werkstücke von Architekturteilen, die in der Residenz als
wiederverwendete, ältere Fragmente von mittelalterlichen Bauten Halles eingebaut worden sind (Spolien)
oder auch um gestaltete
Bauteile des Renaissancebaus selbst.
Die heute .Neue Residenz" genannte Hofanlage bildet einen
unregelmäßigen Grundriss im mittelalterlich geprägten Grundriss der Altstadt von Halle. Unter Kardinal
Albrecht
von Brandenburg wurde der .Neue Bau" als geschlossener Arkadenhof zwischen 1531-39 errichtet. Im
Nordflügel riegelt die von 1537-39 errichtete Kapelle Allerheiligen die Anlage zum angrenzenden Hof der
ehemaligen Dominikanerkirche (Dom)
ab.
Ansicht der Kapellenabsis (1537-39)
des von Kardinal Albrecht initiierten
"Neuben Baues"der heutigen Resi-
denz. Das Scheitelfenster in der
mittleren Fensterebene mit
einem
Bruch des Sturzes im Herbst 2008.
Die oberen Rechteckfenster belich-
ten den
heutigen Austellungssaale
durch Schächte in der Rabitzkalotte.
Durch Frostsprengung im Frühjahr
2009 ausgebrochener und abge
stürzter Sturz
des Scheitel fens-
ters. Das renaissance zeitlichde
profilierte Gewände und dessen
Einbausituation gaben Anlass zur
kunst geschichtlichen
Überlegun-
gen hin sichtlich der ursprüng-
lichen Baugestalt und Entwicklung.
Die ursprüngliche Gestaltung der Anlage in den typischen Formen des frühen 16. Jahrhunderts ging
weitgehend verloren. Am eindrucksvollsten stellen sich heute noch die stark veränderte Fassade des
Westflügeis zur Saale, die Hoffassade des Ostflügels an
der Domstraße sowie die Kapelle mit ihrer halbrunden, in den Straßenraum ragenden Apsis dar.
Aufgrund massiv einsetzenden Bauverfalls war an der Kapellenapsis im Friihjahr 2009 ein Sturz des
mittleren Scheitelfensters
herausgefallen.
Das gab den Anlass für sofort einsetzende Untersuchungen, mit dem Ziel der Sanierung nicht nur des
einen Steines, sondern der gesamten Apsis im Äußeren und Inneren.
Ausschnitt aus der Vogelsschau der Stadt Halle, Kupferstich in Gottfried Olearius:
Halegraphia Topo-Chronologica,1667. Der Stich hat mit diesem Inhalt und diesr Darstellungsart keine
Urform( Archäotyp) zum Vorbild, er muss aber in
die Zeit um 1620 datiert werden, da sein Stecher, Friedrich Daniel Bretschneider, von ca. 1550 bis
etwa 1623 lebte.
Dank der fachlichen und denkmalpflegerischen Verantwortung der Eigentümerin LlMSA und des vertretenden
Landesbetriebes Bau, NL Süd, wurden umgehend bauhistorische, restauratorische und statische
Untersuchungen eingeleitet.
Im Ergebnis
wurden das Apsismauerwerk, die Fenstergewände, die Verglasung des späten 19. Jahrhunderts und die stark
absturzgefährdeten, kunsthistorisch besonders wertvollen Strebepfeiler restauriert und saniert.
Bei
diesen Arbeiten mussten
sehr viele substantiell zerstörte Werkstücke von zweit- verwendeten Fenster- und Türgewänden aus den
Strebepfeilern geborgen werden.
Die Westfassade der Residenz in der heutigen Erscheinung, als Resultat des Abbruches
von 1789 und der Neuaufstockung von 1840.
Auch bei vorangegangenen, durch Sanierungsarbeiten ausgelösten Untersuchungen konnten durch Bauforscher
und Restaurator wertvolle neue Erkenntnisse zur originalen Bauform des .Neuen Baues" des 16.
Jahrhunderts im Detail ermittelt und dokumentiert werden.
Diese Ergebnisse sollen nun im Zusammenhang mit der geborgenen materiellen Substanz des
späten Mittelalters und der Friihrenaissance durch die hier installierte Begleitausstellung vorgestellt
werden.
Baugeschichte Residenz - Renaissance
Ausschnitt aus der Stadtansicht von 1598 mit Westflügel Kapelle des "Newgebewe", Dom
und Klaustor angrenzend. Die Treppen- und Aborterker, wie auch die Zerchhäuser sind im Detail darge
stellt worden. Kolorierter Kupferstich des Johannes
Mellinger in: Georg Braun, Franz Hogenberg: Civitates orbis terrarum, Köln um 1598.
Von der einstigen Renaissance-
architektur des prachtvollen
Arkadenhofes
zeugen noch ver-
steckt und verändert die Bogen-
stellung auf Balustersäulen in-
der
Hoffasade des Ostflügels,
DuB 2009.
Ausschnitt aus der Westansicht
der Stadt Halle nach Casper
Merian, Hall in
Sachsen Gegen
Abend, aus: Topographia Sax-
soniae Inferioris, Frankfurt/
Main 1653.
Diese Wiedergabe
hatte mit Sicherheit Vorlagen,
und trotzdem haben sich Fehler,
wie die
unkorrekte Angabe der
Anzahl von Erkern und Zwerch-
häusern eingeschlichen.
Der Arkadenbogen der Tor-
durchfahrt wurde durch den
Aufbau der etwas
jüngeren Ka-
pelle (links) teilweise um-
baut. Die Balustersäulen und
weitere
Werksteinlösungen sind
in der Fassade erkennbar.
Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545), Erzbischof von MagdeburgiMainz und Administrator von
Halberstadt, ließ ab 1531 an Stelle des ehemaligen städtischen Hospitals St. Cyriacus den geschlossenen
Gebäudekom plex des .Neuen Baues" errichten.
Ab 1533 war Andreas Günther Baumeister des
Kardinals. Er vollendete diesen von Arkaden umgebenen Renaissancehof mit dem Bau der Kapelle im
Nordflügel 1539. Die Gebäude, gelegen am westlichen Stadtrand zwischen Klaustor und Dominikanerkloster,
mit ihrer Westseite an die Mühlsaale grenzend, sollten Albrecht als .neue Behausung" dienen. Die frühere
Meinung, dass Albrecht die Absicht hatte, eine Universität mit der theologischen Grundausrichtung gegen
den sich verbreitenden
Reformationsgedanken luthers hier zu installieren, wird seit einigen Jahren verworfen, auch wenn durch
Papst Clemens VII. bereits ein Bestätigungsbrief für die Errichtung eines "studium generale" in Halle
ausgestellt worden war.
Heute geht die Forschung von der ursprünglichen Konzeption als Wohnanlage des Kardinals mit einer seinen
persönlichen Neigungen und Wünschen entsprechenden Gebäude- und Raumorganisation aus.
Der größte
Teil des Nordflügels
wird von der Kapelle eingenommen, an die westlich die "liberey" (Bibliothek) angrenzte. Der heute nur
noch sehr verändert erhaltene Westflügel war als repräsentativer Wohnflügel errichtet worden.Die
ursprünglichen Bauformen von "Süd-
und Ostflügel sind nie so detailliert dargestellt worden, was die Rekonstruktion der Nutzung ebenso
erschwert, wie die der ursprünglichen Bauformen.
Der Ostflügel enthält in seiner Hoffassade noch die renaissancezeitliche Gliederung mit Arkadenbögen auf
Balustersäulen, wenn auch in nachträglich vermauertem Zustand. Wir wissen nicht, ob der Ostflügel 1534
zweigeschossig war. Im Zusammenhang mit bauarchäologischen
Befunden der letzten Jahre gab es berechtigte Zweifel an der ursprünglichen Zweigeschossigkeit des
Ostflügels, weshalb hier in den Jahren 2008-09 Untersuchungen erfolgten. Eine Nutzung als offene Halle
für eine Steinsammlung des Kardinals
wird in den Quellen angedeutet.
Die Darstellung auf dem in das 1. Viertel des 17. Jahrhunderts
zu datierenden Stich von Bretschneider zeigt eine eingeschossige offene Halle des Ostflügels.
Nachdem
der Kardinal sich bereits 1538 aus Halle zurückgezogen hatte, also noch vor Fertigstellung der Kapelle,
zogen die Dominikaner vom Johanneskloster wieder in ihr früheres Kloster, wenn auch nur für kurze Zeit
Welche Nutzung der .Neue
Bau' danach bis zum Einzug des Administrators August nach 1647 hatte, verblieb vorerst weitestgehend im
Dunkeln.
Kardinal Albrecht von Branden-
burg, war Erzbischof des Erz-
bistums
Mgdeburg, zu dem Hal-
le im Mittelalter bis 1680 ge-
hörte, Kunstmäzen. Bauherr
der
Renaissancestadt Halle und
Sammler bedeutender Reliquien
des Halleschen Heiltums.
Rekonstruktion des Renais-
sancehofes im Grundriss durch
H.-J. Krause, aus
Kontinuität
und Zäsur. H.-J. Krause. Die
Moritzburg und der "Neue Bau"
in Halle,
2005.
In der Ecke des Süd- zum Ost-
flügels lag
ein Teil des Hospi-
talfriedhofes, der für die An-
lage der Gebäude eingeebnet
worden
sind.
Nutzungsgeschichte Residenz - 1541 bis 1628
Für die Zeit nach Albrechts Rückzug aus Halle lag die Nutzung des .Neuen Baues"
über ein Jahrhundert weitestgehend im Dunkeln. Hervorzuheben ist allerdings der Aufenthalt Kaiser Karls
V. nach der Schlacht von Mühlberg 1547 im Gebäude,
als Landgraf Phillip von Hessen im langen Saal des .Neuen Baues' vor ihm den Fußfall leistete. Die in
der Literatur genannten Aufenthalte Herzog Heinrichs 11I. von Anjou (1573-Reise zur Königswahl nach
Warschau) und Zar Peters I. von
Russland (1698) geben keine Auskunft zu baulichen Zuständen oder Räumlichkeiten.
Die brandenburgischen Kurfürsten stellten nicht nur die Erzbischöfe ab 1513, sondern ab 1566 auch die
Administratoren (Verwalter) des Erzstifts. Letzter dieser Admidministratoren aus dem Haus der
Brandenburger Kurfürsten war Christian Wilhelm (1598-1631).
Zuvor hatte ihm der Vater die .Neue Residenz" als Prinzensitz angewiesen. Als Administrator entfaltete
Chrisüan Wilhelm in Halle höfische Pracht. Wie seine Vorgänger hatte er dafür allerdings die Moritzburg
genutzt. Diese Funktion
büßte die Burg erst mit ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg (1637) ein. Christian Wilhelm wurde
1628 abgesetzt und statt seiner August von Sachsen, ein Sohn des sächsischen Kurfürsten, mit zeitlichem
Verzug ins Amt des Administrators
gewählt.
Christian Wähelm residiert wie sein Vorgänger auf der Moritzburg, wie der von Kontrad
Grahle gestochene Aufzug, zu Ehren der Geburt der Tochter des Adminitrators angefertigt, belegt.
Rekonstruktion der Hoffasade des Ostflügels durch H.-J.
Krause nach historischen
Quellenund Baunefunde, aus Kon-
tinuität und Zäsur. Hans-Joachim Krause. Die Moritzburg
und
der "Neue Bau", in Halle 2005.
Der Administrator August wohnte und residierte ab 1643 in einem Haus am Domplatz, später in einem Haus
an der Nordseite der Kleinen Klausstraße (.Alte Residenz"). Erst ca. 1647 zog August in den
Gebäudekomplex des ehemaligen .Neuen Baues" ein. Seitdem
trug der Renaissancehof die Bezeichnung .Residenz", wegen des Wechsels innerhalb der Stadt auch schon
die Bezeichnung .Neue Residenz' (Vogelschau aus der Halygraphia von 1667).
Allerdings enthalten die
archivalischen
Quellen aus dieser Zeit keine detaillierten Informationen zu den Gebäuden selbst.
Der renaissancezeitliche Arkadenhof war zu Zeiten des Administrators August noch vollständig erhalten,
abgesehen von den eventuell schon ausgemauerten Bögen des Ostflügels. In der Kapelle könnte der
Administrator einen repräsentativen Saal, vielleicht
den in den jüngeren Quellen erwähnten Bildersaal, eingerichtet haben, als Hofkirche diente die
umgestaltete Dominikanerkirche (Dom). Nach dem Tod des Administrators August im Juni 1680 ging das
Erzstift laut Vertrag aus dem Westfälischen
Frieden von 1648 an das Kurfürstentum Brandenburg über. Die brandenburgischen Kurfürsten nutzten die
Residenz in Halle nicht in dieser Form weiter. Die Liegenschaft kam an die Kriegs- und Domänenkammer
nach Magdeburg und wurde von
dieser verwaltet, vermietet und auch baulich unterhalten.
Früheste Darstellung der Silhouette Halles und Giebichensteins mit Moritzburg und auch
der Westfassade des "Neuen Baues". Zeichnung von 1750. SHStA Dresden, 12884 Karten und Risse Schrank
V Fach 66 Nr.1.
Kupferstich von Johannes
Joansson, 1616.Der Archäotyp
des Mellingerstiches
ist unver-
kennbar, und dennoch enthält
die Ansicht des präsentativen
Westflügels
Ungenauigkeiten.
Kupferstich der Stammta-
fel der Administratoren
und späteren Könige in
Preußen aus der Dreyhaupt
Chronik von 1750. Im Zen-
trum steht der Wettiner
Herzog
August als letzter
Verwalter des Erzstifts,
dass 1680 als Herzogtum
Magdeburg an
Branden-
burg, an Frierich Wilhelm,
den Großen Kurfürsten,
überging.
Nutzungsgeschichte Residenz - 1680 bis 1794
Nach längerer Überlieferungsunterbrechung zur ehemaligen Residenz erscheinen ab 1735 immer wieder
Dokumente, die sich mit Nutzung und Unterhalt der bereits baufälligen Anlage beschäftigen.
Die
Kriegs- und Domänenkammer
in Magdeburg richtete in der Residenz Wohnungen für Beamte (Officianten) des königlichen Salzamtes ein
und brachte auch erstmals Einrichtungen der Universität Im Gebäude unter. Im Obergeschoss des Ostflügels
scheinen schon früh
nach Auszug des herzoglichen Hofes (1680) Manufakturen und Wohnungen eingerichtet worden zu
sein.
Dem ältesten überlieferten Grundriss der Bauanlage ist zu entnehmen, dass im ehemaligen
"Bildersaal" (Kapelle) ein Auditorium
eingebaut werden sollte, im Westflügel gab es einen Saal für .Recruten". In der Ecke zum Nordflügel
befanden sich zu dieser Zeit schon Räume der Universität. Die Theologie, Medizin und Philosophie hatten
hier Quartier genommen.
Bevor umfangreiche Abbrüche an der ursprünglichen Substanz des 16. Jahrhunderts wegen Baufälligkelt
erfolgten, erhielt die junge katholische Gemeinde von Halle 1752 Räumlichkeiten in der Residenz. Zuerst
überließ man Ihr einen Saal im Westflügel. Als
die katholische Gemeinde wuchs, übergab man ihr 1754 den ehemaligen fürstlichen BIldersaal, die einstige
Kapelle im Nordflügel. In ihren Gewölben des Erdgeschosses waren Lager, Ställe und sogar Wohnungen
eingerichtet worden.
Die bekannteste Darstellung der Residenz stammt aus dem Seerschen Stammbuch
von 1735. Sie zeigt den renaissancezeitlichen Aufbau der Repräsentationsfront zur Mühlsaale. die zu
diesem Zeitpunkt noch alle Details der Erker und Zwerchhäuser
besaß.
Die Anzahl der Zwerchhäuser auf dem Westflügel wird In den Akten mit insgesamt 16 beziffert.
Ältere Ansichten der Residenz (Braunl Hogenberg. 1598-1616) lassen davon zehn auf der Westfassade
erkennen, die übrigen sechs
Zwerchhäuser müssen über der Hoffassade gestanden haben.
Die Hoffront des Westflügeis war mit insgesamt 14 Arkadenbögen und zwei Wendelsteinen gegliedert. Auch
die den Flügel durchschneidende Durchfahrt zur Fürstenbrücke an der Mühlsaale wird erwähnt. Hinter den
Arkaden lag ein "gewölbter Gang". Er hatte eine
Breite von rund vier Metern (13 Y4 Fuß = 4,17m). Im Südflügel gab es drei Bögen.
Nachdem bereits
seit den 1760er Jahren immer wieder Teile der Gebäude, zumeist Auf- und Anbauten, wegen BaufällIgkeit
abgebrochen werden mussten, erfolgte 1789 der umfängliche Abbruch des Westflügeis bis auf sein
nördliches Drittel.
Dabei gingen das Obergeschoss und die hofseitige Fassade mit dem "gewölbten
Gang" verloren, d.h. der "Restflügel"
wurde 4m schmaler. Das nördliche Drittel des Flügels wurde zur Anatomie (1790) umgebaut und vom
Restbestand abgeschnitten (heute der breitere Hausteil im Westflügei). Auch der im Winkel anschließende
Nordflügel (späteres Treppenhaus)
wurde in den Umbau einbezogen und mit dem einheitlichen Dachwerk der Anatomie überspannt. Der übrige
Westflügel muss nur notdürftig überdacht worden sein und verblieb danach für 50 Jahre in diesem Zustand.
Der Abschluss der Baumaßnahme
erfolgte aktenkundig 1794.
Das Fischerstechen auf
der Mühlsaalevor der
Schauseite des Westflü
gels
der Residenz, aus
dem Seerschen Stamm
buch von 1735, STA
Halle.
Neubau der Anatomie
1789-90. Der Neubau wur-
de in der Breite des ur-
sprünglichen Renaissance-
baues ausge führt. Dabei
stieß man auf Pfeilerfun-
damente der
Arkade, die
für die Neugründung auf-
gebrochen werden muss-
ten, Archiv des Landes
amtes für Denkmalpflege
und Archeologie
Sachsen-Anhalt.
Ansicht des zum übrigen Westflügel breiteren Anatomiegebäudes von 1790, hinter dem
Treppenturm von 1880. DuB 2004.
Ältester Lageplan des
Hofkomplexes mit dem ge-
planten Auditorium in
der
ehemaligen Kapelle
der Renaissanceanlage, 1735.
UAH-Rep.3, Nr. 706
Ausschnitt aus dem Stadtplan der Chronik des Johann Christoph von Dreyhaupt,1750. Der
chematische Grunriss des Baukomplexes zeigt noch das Rondell auf der südöstlichen Aussenecke.
Im Grundriss von 1791 ist
das Rondell nicht mehr
dargestellt. Der Neubau
der Anatomie im nördlich-
en Drittel des Westflü-
gels ist durch eine Trenn-
linie
hervorgehoben und
der südliche Abschnitt ist
noch in der Breite der
Anatomie
wiedergegeben.
Plankammer, Landratsamt
für Denkmalpflege und
Archäoligie
Sachsen-Anhalt.
Auch die Arkaden des Südflügeis wurden 1789 abgetragen. Die auch auf dem Nordflügel und der Kapelle
ehemals vorhandenen Zwerchhäuser, In den Akten als "Erkner" bezeichnet, mussten bereits einige Jahre
zuvor wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Das
Dach der Kapelle wurde nach Teilabbruch der Mauerkrone 1781 vollständig neu errichtet.
Auf der
Außenecke von Süd- und Ostflügel befand sich noch bis 1789 ein Rondell. In diesem gab es eine wohl
nachträglich
eingebaute Wendeltreppe. Nach mehrfachen Reparaturen wurde das Rondell schließlich abgebrochen und die
Fassade wieder geschlossen.
Nutzungsgeschichte Residenz - 1764 bis 1990
Kapelle der katholi-
schen Kirche mit dem
1812 errichteten Glok- kenturm, um
1900.
Sammlung Gottfried
Riehm.
Spolie einer raomani-
schen Säule unter dem
Unterzug des Erdge-
schosses
im Ostflügel,
wohl erst Anfang des
19. Jahrhunderts durch
den Altertumsverein
hier
eingebaut, Dub 2010.
Spolie einer raomani-
schen Säule unter dem
Unterzug des Erdge-
schosses
im Ostflügel,
wohl erst Anfang des
19. Jahrhunderts durch
den Altertumsverein
hier
eingebaut, Dub 2010.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wird die Nutzung in den Gebäuden der Residenz vielfältiger. Im Ostflügel
werden u.a. durch das Ableben des Seidenstrumpffabrikanten Guillhaumanns und des Landbaumeisters
Reichhelm Räume frei. In ihnen sollte 1801 eine Spinnerei
eingerichtet werden. Im Erdgeschoss erfolgten Umbauten für die katholische Schule und deren Lehrer. In
den Jahren bis 1810 wurden auch Räume für das mineralogische Kabinett der Universität hier eingerichtet.
Für die Analyse der
grundsätzlichen Bauentwicklung des Ostflügels ist die Reparatur des Dachwerkes und der Hauptbalkenlage
in den Jahren 1808 bis 1810 von Bedeutung. Das Dach wurde vollständig abgenommen und die Deckenbalken
von Erd- und Obergeschoss
ausgewechselt. Danach wurden die Gebinde von 1602 in veränderter Reihenfolge wieder aufgeschlagen. Diese
umfänglich dokumentierte Baumaßnahme stand im Zusammenhang mit dem ersten in Preußen eingerichteten
"Entbindungs- institut".
Nachdem die "Entbindungsanstalt" in den Neubau der Frauenklinik von 1879 umzog, übernahm die Universität
deren Räume. Der .Thüringisch-Sächsische Verein für die Erforschung des vaterländischen Alterthums und
Erhaltung seiner Denkmale"
zog 1823 mit seiner bereits umfangreichen Sammlung in die Residenz ein. Damit dürften einige
Veränderungen einher gegangen sein; vielleicht stehen die romanischen Säulen im Ostflügel und das
romanische Portal im Nordflügel damit
in Verbindung. Schließlich wurde 1882 im Ostflügel das Provinzialmuseum, der Vorgänger des heutigen
Landesmuseums für Vorgeschichte, eröffnet. Es zog erst 1913 in den Neubau am Wettiner Platz. Im
notdürftig hergerichteten Erdgeschoss
des Westflügeis wurden bis 1822 klinische Einrichtungen untergebracht und auch der Altertumsverein
erhielt hier weitere Räume. Ein Plan von 1833 verzeichnet für den Südteil des Westflügeis nur ein
Erdgeschoss. Diese Situation ist
erst mit der ab 1839 geplanten und 1840 umgesetzten Aufstockung des Westflügeis verändert worden. Diese
umfänglichste Baumaßnahme der Neuzeit schuf die aufgesetzte Ziegelfassade der Westfront zur Mühlsaale
und die Hofwand aus Porphyr.
Weitere Ergänzungen am und im Westflügel erfolgten bis 1888, wia mit dem Treppenturm an der Hofsaite.
Aber auch die großen Segmentbogenfenster in der Hofwand der ehemaligen Anatomie gehören in diese Zeit
der Bauveränderungen. Im
Nordflügel fanden kleinere Umbaumaßnahmen um 1841 statt, vermutlich nach dam Auslaufen von
Erbpachtverträgen mit Privatpersonen. Die katholische Gemeinde errichtete 1812 als sichtbares und
hörbares Zeichen ihrer Gemeinde auf der
Apsis der Kapelle einen Glockenturm. Er bestand bis zum Umbau zur Garnisonskirche 1901. Die
Garnisonskirche bestand bis nach dem 1. Weltkrieg, danach diente der Raum als Lager, bis er 1934 für das
bis heute bestehende Geiseltalmuseum
eingerichtet wurde.
Entwurf für die Einrichtung einer Spinnerei im Obergescoss des Ostflügels, der wohl
aber nicht zur Ausführung kam. 1801, UAH, Rep, 3 Nr.733.
Einrichtung des Entbindungsin
stitutes im Obergeschoss des
Ostflügels, UAH,
Pläne.
In der nördlichen Hälfe des-
Erdgeschosses sind Räume
des Mineralogischen
Cabinets
untergebracht gewesen.
1810, UAH, Pläne 4730B.
Umfassende Beschreibung der
Nutzung inallen Flügeln der
Residenz. 1833. UAH,
Rep.6 Nr.11 Bl.213.
Archäologie und Bauforschung
Mit den Arbeiten zur statischen Sicherung an der südlichen Außenmauer, genau
an der Stelle, wo einst das Rondell der Südostecke ansetzte, erfolgten auch archäologische
Untersuchungen. Der Bodeneingriff bis 4,80m liefe legte von innen
die Außenwand mit der Baufuge des Rondells von 1534 zum Restbestand der mittelalterlichen
Umfassungsmauer des St. Cyriacus Hospitals frei. Diese Bruchsteinmauer war noch 2,60 m über der
ergrabenen Gründung erhalten. Wir können
davon ausgehen, dass der heutige Südflügel zum Teil auf der ehemaligen Hospitalmauer gründet.
Bei den Schachtungen kamen auch menschliche Skelettteile und Grabgruben zum Vorschein. Die Gräber, in
dichter Lage auch übereinander
angeordnet, sind dem christlichen Bestattungsritus entsprechend Ost-West ausgerichtet worden. Die
Hospitalmauer und auch die Gräber durchschneiden zahlreiche Siedlungsschichten des älteren,
mittelalterlichen Bodens und werden selbst
vom Fundament des Rondells der Renaissanceanlage von 1531-34 durchschnitten.
Viel wichtiger für die Rekonstruktion ursprünglicher Oberflächen zur Zeit des
.Neuen Baues" ist das Höhenverhältnis der Grabgruben zur heutigen Oberfläche und zum umliegenden Niveau
vor dem ehemaligen Klaustor, das fast bündig vor
dem Südflügel stand.
Die Schichten belegen eine Gesamtüberhöhung des heutigen Innenhofniveaus zum spälmittelalterlichen
Hof um 2,80 m. Schon das Niveau des Renaissancehofes wurde durch Überschütlung des Friedhofes um 1,20 m
bis 1,40 m erhöht.
Das mittelalterliche Geländeniveau im Hof folgte sicher dem natürlichen Geländeanstieg Richtung
Domplatz. Die Aufschüttung von 1531-34 glich diesen Anstieg wahrscheinlich nicht gänzlich aus, was durch
die Untersuchungen der Bauforscher
bewiesen wurde.
Blick von oben in die ver-
baute Suchschachtung auf
ein Planum, in dem sich
die
schwarzen Grabgruben im
weißlich-grauen Ton-/
Schluffgemisch abzeich-
nen.Dub
2008.
Höhenvergleich der
Gruben zum Aussen-
nivau vor dem Süd-
flügel und zum
heu-
tigen Hofnivau
bei 0,00m.
Lage der Gründungsschacht-
ung im Erdraum des Südflü-
gels, wo die Grabgruben
und
der Anschluss des Rodells
des 16. Jahrhunderts ent-
deckt wurden.
Rekonstruktion der Höhenverhältnisse
des ursprünglichen Höhennivaus des 16.
Jahrhunderts zu den Säulenbasen der
Arkatur im Ostflügel.
Baualterskartierung der Hoffassade
mit
der an das Ende des 16. Jahrhun-
derts datierten Ausmauerung der
Bögen, DuB 2009.
Blick in due Sondage vor der Hofwand
des Ostflügels mit dem freigelegten ur-
sprünglichen Pflaster des Renaissance-
hofes, auf dem die Verbreiterung der
Bogenausmauerung
steht, DuB 2008.
Freigelegter Werkstein-
sockel unter der Eck-
säule zwischen Ost- und
Südflügel, DuB 2008.
Abwicklung der dokumentierten Profile der
U-förmige vor der Aussenwand
stehenden
Schachtungswände mit sich den überlagerden
Grabgruben und dem Rondellmauerwerk
(rechts),
DuB 2008.
Am Fundament der Hoffassade des Ostflügels wurde das originale Pflaster des
Renaissancehofes bei 70cm liefe unter dem heutigen Hofniveau entdeckt. Auf diesem Pflaster des 16.
Jahrhunderts steht die aus Werksteinspolien bestehende Ausmauerung
des Arkadenbogens. Zwischen Pflasterung und Fundament hatte sich nur unwesentlich Siedlungssediment
abgelagert. Dies spricht dafür, dass die auch statisch begründete Ausmauerung der schmalen
Werksteinbögen relativ schnell nach
dem Primärbau erfolgte (um 16oo?).
Die Ecksäule in der Ostarkade (Innenecke Ost-/Südflügel) steht
mit ihrer Basiswulst ca. 1,00 bis 1,10m über dem originalen Hofniveau von 1534, auf einem achteckigen
Werksteinsoekel. Nur die
variierende Höhe dieser Sockel unter den Säulen hat den Geländeanstieg nach Nord ausgeglichen, so dass
die Säulenbasen immer in der gleichen Höhe standen und noch stehen.
Bauforschung und Archivforschung
Nach Jahren des Sammelns der archivalischen Quellen zur jüngeren Geschichte
der Residenz, ab dem frühen 18. Jahrhundert, konnten durch großzügige Förderung der Eigentümerin der
Liegenschaft, der LIMSA, Auswertungen der schriftlichen
Quellen und Beobachtungen zum möglichen Bauablauf im Detail durchgeführt werden. Diese Arbeiten lagen in
den Händen der Mitarbeiter des Landesdenkmal-
amtes, der Abteilung Bauforschung, wurden durch einen
Dachwerk-
spezialisten
und einen Vermesser weitergeführt und durch den Bauforscher zusammengefasst und zu einem vorläufigen
Abschluss gebracht.
Die Grundlagen der Baugeschichtsforschung wurden allerdings schon in den letzten
drei Jahrzehnten durch
den Leipziger Kunsthistoriker Hans-Joachim Krause gelegt. Aus den vielen Baunachrichten und durch
stilistische Bauanalysen wurden vom Bauforscher neue Ansätze der Bauentwicklung formuliert und in so
genannten Bauphasenplänen als
Arbeitshypothesen dargestellt.
Daraus ergaben sich nun allerdings auch neue Fragen zur
Bauge-
schichte, die durch Untersuchungen kleineren Umfangs geklärt werden sollten.
Südöstliche Fenster-
achse in der Kapellen-
apsis mit Eintragung
der
Ausbruchsgrenze
im Bruchsteinmauer-
werk, die zu der Ver-
mutung Anlass gab,
dass
ursprünglich go-
tische Spitzbogenfen-
ster
in der Kapelle
vorhanden ware,
DuB 2008.
Abbundeinheiten der
Dachwerke mit ihren
Datierungen durch die
Jahrringmessung (Den-
drochronrologie) nach
F. Högg,2004.
Die Jahrringmessung von zahlreichen Bauhölzern aus den Dächern des West- und Ostflügeis, aus dem Dach
der Kapelle und des Nordflügelansatzes ermöglichte die Datierung der ursprünglichen Dächer, wie über dem
Westflügel. Hier steht zwar über der nachträglichen
Aufstockung das Dach von 1840, aber es enthält zahlreich Sparren von 1531/32.
Über der Anatomie, dem breiteren Bauteil im nördlichen Drittel des Flügels, und über dem
ansetzenden Nordflügel steht das Dach des Neubaus von 1789/90, für das aber auch noch Althölzer von
1531/32 verwendet worden sind. Bis
zum Abbruch des Daches 1788 muss also noch das Gespärre von 1532 auf dem gesamten Flügel gestanden
haben.
Die Hölzer des Dachwerkes über der Kapelle müssen so desolat und unbrauchbar gewesen
sein, dass eine Wiederverwendung
von Teilen nicht möglich war, weshalb hier ein vollkommen neuer Dachstuhl aus neuen Hölzern von 1780/81
errichtet wurde. Im Übrigen spiegelt die Wiederverwendung von Hölzern im Westflügel die Sparsamkeit und
den Wert von Baumaterial
wieder. Abgebrochenes Material musste immer gelagert und wenn möglich .versilbert" werden, wie der
Landbaumeister Reichhelm in seinen zahlreichen Kostenanschlägen bemerkte.
Baukphasenkartierung der Westfassade des
Westflügels nach Auswertung der
histori-
schen Quellen und Baubefunde,
Dub 2008, Vermessung S. Marold 2004.
Baukphasenkartierung der Hoffassade des
Ostflügels nach Auswertung der
histori-
schen Quellen und Baubefunde,
Dub 2008, Vermessung S. Marold 2004.
Baukphasenkartierung der Hoffassade des
Westflügels nach Auswertung der
histori-
schen Quellen und Baubefunde,
Dub 2008, Vermessung S. Marold 2004.
Rekonstruktionsversuch des in den Akten be-
schriebenen Gewölbeganges im mit
seiner Ar-
katur. Aufbau und Gliederung des Oberge-
schosses und des Wendelsteins sind
nach
Vergleichen angepasst worden, DuB 2008.
Das Dach über dem Zwischenbau des Nordflügeis, westlich der Kapelle, wurde mit dem Ausbau zu Wohnzwecken
für die Familie Tscholl 1840 aufgeschlagen. Im gleichen Bauabschnitt ließ die Preußische Bauverwaltung
in Merseburg den Westflügel in der heute noch
erhaltenen Form wieder aufbauen. Man bezog sich auf die mit dem Abbruch von 1789 festgelegte schmalere
Grundrissform, die vermutlich dem Flügel ohne den davor liegenden offenen Bogengang entsprach.
In Auswertung aller Befunde wurde versucht, die Hofansicht des Westflügeis um 1550 im Ansatz zu
rekonstruieren, wobei die Anzahl der Bögen zwar stimmt aber für einen zweiten Wendelstein, wie er in den
Akten genannt wird, kein Platz
mehr bleibt. Wir müssen uns auch noch 6 Zwerchhäuser, wie sie von der Saaleseite zeichnerisch
überliefert sind, vorstellen.
Die Baubeobachtungen an der Apsis der Kapelle und die
Merkwürdigkeit der einheitlichen Datierung
des Dachgespärres auf dem Ostflügel in das Jahr 1602, was weit jünger als der Renaissancehof Albrechts
ist, gaben dem Bauforscher Anlass, an der Ursprünglichkeit des zweigeschossigen Ostflügels und der
rechteckigen Kapellenfenster
zu zweifeln.
Sanierung der Kapellenapsis
Rekonstruktionsentwurf
von gotischen Spitzbo-
genfenstern nach Aus-
wertung der festge-
stellten Ausbruchs-
spuren, DuB 2008.
Hervorgerufen durch den Abbruch des Sturzes im Scheitelfenster der Kapellenapsis mussten ab 2009
Sanierungsarbeiten geplant werden. Damit verbundene Bestandsaufnahmen an der Außen- und Innenwand der
Apsis sollten Fragen zur Bauabfolge auch in Verbindung
mit dem Ostflügel beantworten.
Für den Ostflügel stand die Aufgabe, die Arbeitsthese von einer
möglicherweise nachträglichen Aufstockung zu überprüfen und für die Apsis die Ursprünglichkeit der
Rechteckfenster
zu überprüfen.
Im Mauerverband der Apsis wurden die vom ehemaligen Kaffgesims (zwischen unterster
und mittlerer Fensterebene) aufsteigenden Ausbruchkanten der gotischen Spitzbogenfenster festgestelH und
kartiert. Die heutigen
Rechteckfenster mit ihren profilierten Gewänden sind nachträglich eingebaut worden, was zusätzlich durch
die Untersuchung an der Innenwandfläche bestätigt werden konnte. Hier sind die Bögen der Fensternischen
eindeutig nachträglich
in das ältere Bruchsteinmauerwerk eingebunden worden.
Innenansicht der Kapellenapsis mit Ein-
tragung der dokumentierten Befunde
und der rekonstruierten spätgotischen
Fensternischen, DuB 2009. Vermessung
S. Marold 2004.
Zeichnerische Dokumentation eines ausgebrochenen Gewölbedienstes mit der ehemals
abschließenden, breiteren Konsole, DuB 2010;
Rekonstruktion eines eingeschossigen Ostflügels mit seinem Anschluss an die Südwand
der Kapelle. Die nachträgliche Türöffnung im heutigen Dachraum führ-
te in eine nachträgliche,
2. Oberge-
schossebene des Kapellensaals,
darüber die Öffnung eines originalen Kirchenfen-
sters der Bauzeit von 1539, DuB 2009, S. Marold
2004.
Die schon lange unbeantwortete Frage nach einer ursprünglichen Wölbung der ehemaligen Kapelle von 1539
konnte durch den Nachweis von ausgebrochenen Gewölbediensten - Wandvor1agen unter den Gewölbekonsolen -
zumindest für eine Planung positiv beantwortet
werden. Ob die Einwölbung tatsächlich ausgeführt worden ist, kann angenommen aber nicht bewiesen werden,
da der Abzug Kardinal Albrechts nach Aschaffenburg ein abruptes Ende der Hofhaltung in Halle bedeutete
und so~ auch für den
Renaissancehof die gedachte Nutzung aufhörte.
Während der Sanierung an der Innen-
wand der Apsis kam die Bemalung der
Rabitzkalotte des Kirchenumbaus von
1905 zum Vorschein, DuB 2010.
Kartierung von Baunähten und Werkstein-
lagen in der Fassade der Kapellenapsis in
Vorbereitung der Sanierung.DuB 2008 Vermessen S. Marold.
Kartierung von Baunähten und Werkstein-
lagen in der Fassade der Kapellenapsis in
Vorbereitung der Sanierung.DuB 2008 Vermessen S. Marold.
Aus verschiedenen
Gewänden beste-
hende nachträgli-
che Türöffnungen
in
der Kirchensüd-
wand, DuB 2008.
Im Bruchsteinmau-
erwerk der Innen-
wand der Apsis zei-
chnete sich
der
Ausbruch von Ge-
wölbediensten ab,
DuB 2009.
Der Zweifel an der ursprünglichen Zweigeschossigkeit des Ostflügels sollte durch Untersuchungen an der
Grenze der Geschosse und am Anschluss des Flügels an die Kapelle ausgeräumt oder bestätigt werden.
Die Apsismauer stößt
an die Straßenfassade des Ostflügels in voller Höhe bis knapp unter die Traufe ohne Einbindung an, ist
also später angefügt worden. Im Hof konnte der Anschluss keinen Nachweis erbringen, da hier viel jüngere
Ausmauerungen im Ostflügel
an die Kapelle anschließen.
Wegen der nachträglichen Türverbindung zwischen dem Dachgeschoss des
Ostflügels und einem ehemaligen 2. Obergeschoss der Kapelle - dies entspräche der obersten Fensterebene
in der Apsis - und auch
wegen der Verdeckung eines originalen Kirchenfensters in der Südwand durch das Dachwerk von 1602, könnte
dennoch von einer nachträglichen Aufstockung des Ostflügels mit einem Vollgeschoss ausgegangen werden.
In diesem Fall kann aber nur ein Pultdach auf dem Ostflügel rekonstruiert werden.
Sanierung der Kapellenapsis
Zeichnerische Bestandsaufnahme des
Werksteinverbandes des nordöstlichen
Strebepfeileraufsatzes zur Darstell-
ung des Versatzes und der Schäden,
DuB 2009.
Die Arbeiten zur Sanierung der Apsisfassade begannen mit einer Bestands- untersuchung nach der
Einrüstung. Dabei wurden schwere substantielle Schäden festgestellt, die auch weitere Abstürze zur Folge
hätten haben können.
Der detaillierten steingerechten Dokumentation der Wandftäche und der
gerundeten Streben folgte eine vom Restaurierungsatelier Schöne vorgenommene Schadens- und
Maßnahmenkartierung.
Die Befunduntersuchung an der Fassade und an den Streben bestätigte die Vermutung des
nachträglichen Einbaus der Rechteckfenster in den beiden oberen Ebenen, die in separaten Innennischen
vielleicht schon einen im Geschoss
unterteilten Kirchenraum belichten.
Bemerkenswert an den Fenstergewänden ist die Anpassung der Stürze und Sohlbänke des 1.
Obergeschosses an die Apsiskrümmung, sowie die Feingliedrigkeit ihrer Profilierung, im Gegensatz zu den
geraden Werksteinen der obersten
Ebene. Diese bestehen zudem aus wiederverwendeten Gewänden der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Die Schäden am Bruchsteinmauerwerk betrafen vor allem den abschalenden Sandstein, weniger das
Fugenbild, da hier ein immer noch anhaftender Zementrnörtel der Restaurierungsphase von 1905 auflag.
Dieser auch schon als Steinersatzmasse
benutzte Mörtel hatte eine sandsteinfarbene Durchfärbung und wurde auch in dicken Schichten als quasi
Stainausfüllunq benutzt (Vierung). Gerade die dickeren Auftragungen und Füllungen im Sandstein bildeten
oft Platten, die z.T
ohne Bindung nur noch senkrecht vor den Werksteinen der Streben standen und abzustürzen drohten.
Der Ausbruch des Fenstersturzes im Scheitel der Kapellenapsis, hervorgerufen durch
Drucklast des Überfanbogens und Frostsprengung, DuB 2009.
Der Ausbruch des Fenstersturzes im Scheitel der Kapellenapsis, hervorgerufen durch
Drucklast des Überfangbogens und Frostsprengung, DuB 2009.
Der Ausbruch des Fenstersturzes im Scheitel der Kapellenapsis, hervorgerufen durch
Drucklast des Überfangbogens und Frostsprengung, DuB 2009.
Der Ausbruch des Fenstersturzes im Scheitel der Kapellenapsis, hervorgerufen durch
Drucklast des Überfangbogens und Frostsprengung, DuB 2009.
Da schon bald absehbar war, dass zahlreiche Werksteine steinmetzmäßig bearbeitet und auch komplett
ersetzt werden müssten, bestand die Notwendigkeit, diese Werk-
steine zu bergen.
Im Zuge des teilweisen Austauschs und des statisch not-
wendigen
Neuaufbaus der Strebenaufsätze kamen in ver-
schiedenen lagen der Streben wiederverwendete Werk-
steinblöcke zu Tage (Spolien).
Auf den Sichtflächen zahlreicher Werksteine sind
fein-
gliedrige Steinmetzzeichen von 1539 eingeschlagenen worden, in den lagerflächen etlicher
Spolien befinden sich auch ältere, vermutlich
romanische Steinmetzzeichen.
Statiker und Steinmetz waren bestrebt, so wenig wie mö-
glich
der originalen Substanz komplett auszuwechseln, vielmehr sollten in größere Fehlstellen Vierungen
einge-
setzt und kleinere
Störungen durch Ersatzmasse ge-
schlossen werden. Da aber viele der Werksteine der Auf-
sätze aus
ehemaligen Fenstergewänden des romanischen Abbruchmaterials hallescher Kirchen und aus
renaissan-
cezeitlichen Ausschussstücken
bestanden, verblieb oft zu wenig tragende Materialsubstanz innerhalb der oft auch nicht in den Verband
der Apsis eingebundenen Streben. Da diese älteren Werksteine aber ein Teildokument roma-
nischer und
gotischer Architekturformen
darstellen, barg die Steinmetzfirma Kästner aus Wiedmar diese Stücke und lagerte sie ein.
Gerade die Strebepfeiler wie-
sen die stärksten Umweltein-
flüsse und
schlechte Verar-
beitung hervorgerufenen
Die Baumaßnahmen von 1901
- 1905 verwendete
einen ze-
menthaltigen Ersatzmörtel,
DuB 2009.
Die Abdeckung des gerunde-
ten Strebepfeileraufsatzes
wurde wohl bei einer
früher-
en Sanierung um 1905 umge-
setzt und mit Klammern ge-
sichert, DuB 2009.
Lapidarium und Torsanierung
Einlagerung der ausgebauten
Werksteinspolien auf dem Hof
der Fa. Kästner,
Wiedemar,
DuB 2010.
Da die Vernichtung der zwar stark geschädigten Spolien als Nachweis romanischer und gotischer
Architekturformen und als Beweis für die gezwungenermaßen sparsame Recyclingwirtschaft des Bauherm, des
überschuldeten Kardinals, nicht in Frage kam, wurde zwischen
LlMSA (Eigentümerin), dem Landesbetrieb Bau und den Fachbehörden die Entscheidung zur Aufbewahrung
getroffen.
Nach einer Begutachtung aller ausgebauten Teile auf dem Werkhof der Firma Kästner
wurden
die in das Lapidarium zu übernehmenden Werksteinfragmente ausgewählt. Nicht alle Bruchstücke mit noch so
kleinen Resten einer einstigen Profilierung waren erhaltenswert, ebenso viele der übrigen Fragmente, da
ihre Zerstörung bereits
zu weit fortgeschritten war.
Um einerseits diese Stücke der interessierten Bürgerschaft
präsentieren zu können und um sie andererseits sicher einzulagern, wurde die Entscheidung getroffen, den
Eckraum im Südflügel für diesen
Zweck herzurichten und mit einer einfachen Begleitausstellung zu den Untersuchungen und Sanierungen der
letzten 7 Jahre zu gestalten.
Einlagerung der ausgebauten
Werksteinspolien auf dem Hof
der Fa. Kästner,
Wiedemar,
DuB 2010.
Einlagerung der aus-
gebauten Werkstein-
spolien auf dem Hof
der Fa.
Kästner, Wie-
demar, DuB 2010.
Freigelegte Fundamente des Pfei-
lers zwischen Durchfahrt von Süd-
ost. Auf
dem Werksteinblock mit
Rundbogenausschnitt (Spolie)
setzt der Basisblock der Pfeiler-
profilierung auf. DuB 2010.
Da die Bestrebungen der LlMSA zum Erhalt der wertvollen
Bausubstanz nicht von einmaligem Handeln
bestimmt wer-
den, sondern von Kontinuität im Rahmen der finanziellen
Möglichkeiten, setzte
unmittelbar nach Fertigstellung
der
Apsissanierung die Sicherung und Sanierung der renais-
sancezeitichen Tor- und Pfortenanlage im
Osttlüqel ein.
Auch hierfür waren die gleichen Schritte und Maßnahmen zur Sanierungsvorbereitung
wie an der Apsis
erforderlich.
Die Baugrunduntersuchung durch Projektbau Halle und die bauhistorische Begleitung durch das
Büro DuB erbrachten wichtige Erkenntnisse zum konstruktiven Aufbau und zu den Veränderungen am Gefüge.
Wichtiges Kennzeichen ist
auch hier die Verwendung zahlreicher Spolien, wie z.B. eines großen Werksteinblockes mit Bogenaussparung
im Fundament des Pfeilers zwischen Tor und Pforte.
Restaurierte Musterfläche der Werksteingliederung der Pforte im Ostflügel.
Steingerechte Dokumentation des scheitrechten Sturzes der Pforte mit Einordnung der
Bauteile nach Einbaualter. DuB 2010
Steingerechte Dokumentation der südlichen Peilerflanke mit Kartierung nach Baualter
und von konstruktiven Deteils. im Fundament ein großer Werksteinblock mit Rundbogenschnitt. DuB
2010.
Renaissancezeitliches Tor im
Ostflügel mit Anschluuss an
die Kapellenapsis.
Die im
Relief verzierten Werkstei-
ne der Gewände, des Bogens
und des Pfortensturzes
sind
z. T. stark beschädigt und
bereits
früher ausgewech-
selt wurden, DuB 2010.
Der Pfortensturz zeigt von innen einen nach oben konischen Schlussstein, was
bautechnisch nicht funktionieren würde, wenn er die Stärke des Sturzes hätte. In der Mitte wechselt
der Sturz nach außen in einen nach unten konischen
Werkstein. DuB 2010.
Der Gründungsaufbau für die ursprünglichen Torflügel mit ihren Drehpfosten, die in steinernen Angeln
saßen, war mehrfach erneuert und zuletzt für das schmiedeeiserne Tor aus dem 19. Jahrhundert durch eine
kleine eiserne Pfanne ersetzt worden. Die oberen.
aus Werksteinblöcken herausgearbeiteten Pfannen der Pfosten sind noch erhalten. Es scheint auch so, als
setzte darüber ehemals ein innerer, die Wand des Obergeschosses tragender Nischenbogen an. Risse in den
Werksteinen des Pfostens
zwischen Tor und Pforte und die fehlende Verzahnung mit dem dahinter stehenden Bruchsteinpfeiler machen
die statische Sicherung dringend erforderlich.
Baugeschichte, Bauforschung und die aufwendigen Sanierungsmaßnahmen dokumentiert.
Verantwortlich für die Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen am Denkmalobjekt der NEUEN RESIDENZ ist das
LIMSA (ab 01.04.2012 Landesbetrieb
für Bau- und Liegenschaftsmanage-
ment Sachsen-Anhalt BLSA).
Der Verein der Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt
e.V. bedankt sich bei dem LIMSA für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Text- und
Bildtafeln aus dem Spolienarchiv
in der NEUEN RESIDENZ.
---> Vorträge