




Unmittelbar an der Wirtschaftszufahrt auf den Gertraudenfriedhof von der Straße Bergschenkenweg befindet sich das Gräberfeld für die 679 von den Nationalsozialisten Ermordeten. Getrennt durch die asphaltierte Straße steht den Gräbern gegenüber, das Relief „Passion“ des Bildhauers Herbert Volwahsen, das er von 1946 – 1948 in Dresden geschaffen hat. Dieses ausdrucksstarke Werk war im Zusammenhang mit den Bemühungen um ein Denkmal für die Opfer des Faschismus (OdF), das am Hansering errichtet werden sollte, nach Halle gekommen.
Der von April 1945 bis September 1946 amtierende Oberbürgermeister, Heinrich Mertens, hatte ein
derartiges Denkmal angeregt, dem der Stadtrat mit einem entsprechenden Beschluss, es statt des
Kaiserdenkmals am Hansering zu errichten, gefolgt ist. Ein dafür
deutschlandweit ausgeschriebener Wettbewerb erbrachte, wie das Preisgericht am 13.9.1946 unter dem
Vorsitz von Oberbürgermeister Mertens feststellte, keine Entwürfe, die den Erwartungen entsprachen.
Dennoch wurde, nach einer Mittelung
in der LDZ vom 25.9.1946, schon der Grundstein für das Denkmal am Hansering unmittelbar am
Kaiserdenkmal, verbunden mit einer Großdemonstration gelegt. Auch die von den danach eingeladenen
Bildhauerprofessoren Kolbe und Scheibe aus Berlin
und Albiker aus Dresden erarbeiteten Vorschläge, konnten den Stadtrat nicht zufrieden stellen.
Der
Nachfolger von OB Mertens, Oberbürgermeister Karl Pretzsch (Von 1946 – 1951) wurde mit seinem
Stadtbaudirektor Dr. Adolf
Heilmann auf Werke von Herbert Volwahsen aufmerksam. Nach einem gemeinsamen Besuch in seinem
Bildhaueratelier in Dresden hat der Stadtrat den Ankauf der 2,50 m hohen Plastik „Der Schauende“
beschlossen, die, wie ein Foto zeigt, als Denkmal
am Hansering gestanden hat. In dem knappen Beschlussvermerk wird auch ein Relief erwähnt und
vorgeschlagen, dieses im 1.OG des Roten Turmes aufzustellen. Dabei kann sicher nur das Modell gemeint
gewesen sein. In einer Liste der Denkmäler
von Halle ist zu dem OdF - Denkmal am Hansering seine Umsetzung auf den Gertraudenfriedhof 1965
vermerkt. Ob es sich dabei auch um das Relief handelte, konnte bisher noch nicht geklärt werden.
Das Relief „Passion“ wurde innerhalb
des Gertraudenfriedhofes als Denkmal ausgewiesen und ins Denkmalverzeichnis der Stadt Halle
eingetragen.
Es hat über die Jahre durch Umwelteinflüsse erheblich gelitten. Offensichtlich war die
Verschmutzung, die sich unterschiedlich
zeigte. In der rechten Hälfte war sie unter dem Nadelbaum geringer, während sie sich der Schmutz links
stärker abgelagert hatte. Bei genauerem Hinsehen und im Vergleich mit fotografischen Aufnahmen nach der
Herstellung des Reliefs sind
Verluste an der Steinsubstanz zu beobachten, die die Plastizität deutlich verringerten. Der
Unterzeichnende hatte das bedauerliche Aussehen des Reliefs schon länger beobachtet. Durch den Kontakt
mit dem Steinrestaurator, Frank Uwe Albrecht,
an einem anderen gemeinsamen Vorhaben ergab sich hier die Gelegenheit, aktiv zu werden.
Wir waren uns bei einer Besichtigung einig darüber, zunächst den Kalkstein gründlich mit klarem Wasser
zu säubern und anschließend das weitere Vorgehen zu vereinbaren. Nach der Zusage der Friedhofsleitung,
die für die erste Maßnahme zu erwartenden Kosten
zu übernehmen und nach den behördlichen genehmigenden Absprachen, fanden am 16. und 17. Oktober 2018,
als Aktion des Vereins „Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt“, Arbeitseinsätze statt, an
denen neben dem Steinrestaurator
und dem Unterzeichnenden jeweils einer bzw. zwei Vereinsmitglieder teilgenommen haben. Dabei konnte ein
überraschend positives Ergebnis erzielt werden, durch das die Plastizität deutlicher wahrzunehmen ist.
Bei
einem kürzlichen weiteren Besuch konnte der Unterzeichnende mit Freude feststellen, dass der Baum hinter
der Hecke in der Zwischenzeit entfernt wurde, was für die Stellung und die Ansicht des Reliefs als sehr
vorteilhaft zu bewerten ist.
Dadurch entfällt zukünftig auch der Unterschied in der Oberflächeneinwirkung auf die Steinsubstanz aus
den Witterungseinflüssen.
Bei näherer Betrachtung ist der über die Jahre eingetretene Substanzverlust auf den Oberflächen
eindeutig. Ausgehend von unserer Verantwortung für die Erhaltung dieses bedeutenden Kunstwerkes, stehen
wir vor der Frage, ob wir den weiteren
Substanzverlust hinnehmen wollen, wenn wir davon ausgehen, die Luftverschmutzung wäre geringer geworden.
Allein der tändige Einfluss des Regenwassers und die Einwirkungen des Frostes werden auch weiterhin für
die Steinsubstanz negative
Folgen haben. Deshalb hatte der Unterzeichnende zunächst ein leichtes Schutzdach vorgeschlagen. Bei
Vorgesprächen mit Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie wurde dagegen eine
Wintereinhausung favorisiert, entsprechend
einem Beispiel, das auf dem Stadtgottesacker vom Steinmetzbetrieb Korger ausgeführt wurde. Von diesem
kam die Zusage, auch den hier gewünschten Schutz anzufertigen und aufzustellen. Über den späteren Ab-
und Aufbau dazu über die Lagerung
der Einzelteile möglichst im Bereich des Friedhofes wäre noch zu entscheiden.
Einer Einhausung wurde weder von der Leitung des Friedhofes noch von den Behörden, der Denkmalschutzbehörde der Stadt und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie zugestimmt. Es soll eine jährliche Zustandskontrolle vorgenommen und danach entschieden werden, ob zusätzlich Erhaltungsmaßnahmen erforderlich sind.