Eichendorffbank



Geschichte und Bedeutung

Die Eichendorffbank ist eine denkmalgeschützte steinerne Bank in den Klausbergen im Norden von Halle (Saale), die zur Erinnerung an Joseph von Eichensdorffs Studienzeit in der Saalestadt errichtet wurde.

Vortragsraum

Ansicht Eichendorffbank Februar 2019

Eichendorff war einer der bedeutensten Schriftsteller und Lyriker der Romantik. Er studierte von Mai 1805 bis August 1806 in Halle Jura- und Geisteswissenschaften. Zwei Jahre vor seinem Tod, im Jahre 1855, war Eichendorff noch ein zweites Mal zu einem Kurzbesuch in Halle.

Die Klausberge am rechten Ufer der Saale im Norden von Halle, im Stadtteil Trotha, sind eine Porphyrfelsengruppe, die als flächenhaftes Naturdenkmal ein Areal von ca. 4,5 ha einnimmt.

Mit seinem Gedicht „Bei Halle", welches den Blick von den Klausbergen auf die Saale und die Burg Giebichenstein beinhaltet, setzte Eichendorff der reizvollen Umgebung von Halle ein bleibendes Denkmal.

Forschungen des deutschen Archivars und Historikers Erich Neuß ergaben, dass die handschriftliche Urform vom 1. Februar 1840 stammt.

Der Stadtrat Heinrich Niemeyer regte später an, eine Erinnerungsstätte an den Dichter zu schaffen. Im Jahre 1879 wurde durch den Hallischen Verschönerungsverein unter Leitung des Justizrates Herrmann Fiebiger eine einfache Gedenkstätte in Form eines Steins (heute unweit der Bank noch erhalten) an der Stelle in den Klausbergen, von der man einen besonders schönen Blick auf die Saale und die Burg Giebichenstein hat, errichtet. Wiederum zwanzig Jahre später, im Jahre 1899, wurde der Erinnerungsstätte mit der halbrunden Steinbank im romantisierenden Stil, und dem mittig stehenden Obelisken die heutige Form gegeben. Die ersten zwei Strophen des siebenstrophigen Gedichts „Bei Halle“ wurden in den Obelisken, wie schon zuvor in den einfachen Gedenkstein, eingemeißelt:


DA STEHT EINE BURG ÜBERM TALE,

UND SCHAUT IN DEN STROM HINEIN,

DAS IST DIE FRÖHLICHE SAALE,

DAS IST DER GIEBICHENSTEIN.

DA HAB ICH SO OFT GESTANDEN,

ES BLÜHTEN TAELER UND HÖHN,

UND SEITDEM IN ALLEN LANDEN

SAH ICH NIMMER DIE WELT SO SCHÖN!

EICHENDORFF


Auf einer Stele gegenüber der Bank wurde 2005 eine Inschriftplatte mit dem vollständigen Gedicht aufgestellt. Eine gute Tradition der Halleschen Bürgerschaft heute ist die alljährlich an der Eichendorffbank am 10. März stattfindende Geburtstagsfeier des Dichters, mit musikalischer Umrahmung und einem Picknick. Eine weitere Tradition ist das Frühlingssingen, das zum Frühjahrsanfang mit einem Chor an der Bank stattfindet. Obwohl die Bank in den Jahren 1946 und 1970 bereits restauriert wurde, ist sie heute, einschliesslich ihrer Umgebung in einem sehr desolaten Zustand. Auch im nachfolgenden Zusammenhang erscheint es dringend geboten, eine Sanierung der Eichendorffbank oberhalb der Saale auf den Klausbergen anzuregen, denn unterhalb der Burg Giebichenstein wurde die Saalepromenade neu gestaltet. Eine Bürgerinitiative ermöglichte 2019 die Aufstellung eines neuen Denkmals für den „Jungen Eichendorff“, geschaffen vom Halleschen Bildhauer Bernd Göbel. Siehe auch unter „Interessengemeinschaft Bronzeplastik Joseph von Eichendorff e.V. „ www.eichendorffdenkmal.de

Aktivität bzw. bürgerschaftliches Engagement heute: Wie in der Satzung des Vereins der Freunde Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e.V. beschlossen, verfolgt der gemeinnützige Verein ausschließlich und unmittelbar die Förderung und Erhaltung von Denkmalen und dient der Pflege des öffentlichen Bewusstseins. Die Denkmalfreunde haben eine Initiative ins Leben gerufen, welche die Instandsetzung der Eichendorffbank zum Ziel hat. Das bedarf der entsprechenden Vorbereitung durch Erarbeitung einer restauratorischen Maßnahmekonzeption. Das Ziel ist, mit diesem Konzept den verantwortlichen Behörden der Stadt Halle eine fachgerechte Grundlage für die dringend erforderliche Restaurierung der Eichendorffbank zuzuarbeiten, um eine relative Kostensicherheit zu ermöglichen. Nach einem Presseaufruf des Denkmalvereins im April 2019 wurden inzwischen Bilddokumente gefunden, die den ursprünglichen Zustand der Bankanlage bis in das Jahr 1906 zurück dokumentieren. Für das Errichtungsdatum 1899 liegen uns leider noch keine Fotodokumente vor, suchen aber weiterhin im Archiv ect.

Vortragsraum

Ansicht Eichendorffbank ca.1906

Zu Beginn und im weiteren Verlauf haben wir die Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde und des Landesamtes für Denkmalschutz fachlich kosultiert. Nach Prüfung und Bestätigung eines Leistungsangebotes erteilte unser Verein am 18.09.2019 den Auftrag an den Steinbildhauer und Restaurator Arne Kästner zur Erstellung eines Restaurierungskonzeptes für die Eichendorffbank. Seit Anfang Dezember 2019 liegt uns das sehr ausführliche Konzept vor. Es beinhaltet Leistungen wie Begutachtungen, Schadenskartierungen, Maßnahmekatalog aller notwendigen Arbeiten, graphische Darstellungen, Textbausteine mit einer belastbaren Kostenschätzung incl. grobe Einschätzungen zu Statik und Standsicherheit, die einer Vertiefung in der späteren Ausführungsplanung erfordert. Wir wissen natürlich, dass die Stadt als Eigentümer über die weitere Verfahrensweise und entsprechende Planungen zur Finanzierung solcher Vorhaben allein verantwortlich ist. In dem Konzept unseres Vereins ist nur die Restaurierung der Bankanlage erfasst, nicht die Betrachtung des Gesamtareals auf dem Berg mit der notwendigen Sanierung der Wege, Begrünung, des Informationssystems usw. Am 14.02.2020 stellte unser Denkmalverein der Stadtverwaltung, den Fachbereichen Kultur und Denkmalschutz, dieses Restaurierungskonzept vor (Protokoll vom 18.02.2020). Die Stadt /FB Kultur wird auf dieser Basis den Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung stellen. Der Bitte der Stadtverwaltung vom 14.02.2020 sind wir nachgekommen und haben 3 Exemplare der Bestandserfassung und das Restaurierungskonzept in Papierformat am 16.02.2020 übergeben. Nach Anfrage der Stadt wurde die gleiche Unterlage am 23.04.2020 noch digital nachgereicht. Gegenwärtig erstellt die Stadt, FB Kultur beim Land Sachsen-Anhalt, einen Antrag auf Fördermittel. Unser Verein hat dafür zur Geschichte und Bedeutung der Eichendorffbank zugearbeitet. Die Freunde der Bau-und Kunstdenkmale e.V. werden auch weiterhin eng mit den Behörden der Stadtverwaltung zusammenarbeiten und aktiv am Sanierungsvorhaben „Eichendorffbank“ teilhaben.

Schlussfolgende Gedanken: Die Erinnerung an bürgerschaftliche Aktivitäten in der Vergangenheit führt zur Erkenntnis, dass es nicht mehr zeitgemäß ist, den Erinnerungsort auf den Klausbergen ausschließlich an der Person Eichendorffs festzumachen. Eichendorffbank und auch das neue Eichendorff-Denkmal sind gleichrangige Zeichen. Demgemäß ist die erwartete Unterstützung der Stadt für anstehende Sanierungen folgerichtig. Für den Verein Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e.V. sind die Bank mit Obelisk und deren Umfeld wesentliche Erinnerungszeichen, sowohl für den berühmten Dichter als auch der städtischen Kulturgeschichte und bürgerlichen Engagement für die Stadt Halle. Unser Vorschlag ist darüber hinaus, die Klausberge mit ihren Erinnerungsorten Eichendorffbank, Obelisk, Gedenkstein und Jahnhöhle in das bislang nur auf den Botanischen Garten, die Burg Giebichenstein mit Amtsgarten und Reichardtsgarten begrenzte Areal der “Gartenträume“ einzubeziehen.



Martina Lehmann

Vereinsvorsitzende




Verein Freunde der Bau-und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e.V.

Domplatz 3
06108 Halle (Saale)
Telefon 0345 / 200 27 48 + 0176 / 30 42 33 56

Mail: kontakt@denkmalverein.org
Web: www.denkmalverein.org





Auszüge / Quellen 2020:

Fotos und Schriftverkehr Verein Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e.V. und Wikipedia.


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